Was macht Albanien so besonders und schön? Ein erfahrener Reiseleiter enthüllt die Geheimnisse der albanischen Bergwelt, die sich von den majestätischen Alpen im Norden bis zu den unberührten Landschaften im Süden erstreckt.
Wenn ich mich mit Freunden treffe, kommt die Sprache fast immer auf mein Lieblingsthema: Wie schön ist Albanien eigentlich wirklich? Für mich ist die Antwort ganz einfach, denn dass wir eine märchenhafte, seltene Natur haben, das haben wir alle schon als Kinder in der Schule gelernt. Aber meine Freunde wollen natürlich mehr wissen. Sie wollen die Geschichten hören, die ich über die Jahre mit meinen unzähligen deutschsprachigen Gruppen erlebt habe. Ich habe das große Glück, Menschen aus aller Welt durch mein Heimatland begleiten zu dürfen, vom sonnigen Süden bis hinauf zu den höchsten, majestätischen Gipfeln der albanischen Alpen im Norden. Was mich selbst jeden Tag aufs Neue fasziniert, ist diese unglaubliche Lebendigkeit unserer Landschaft. Das tiefe, fast unwirkliche Grün der Wälder, das bunte Meer aus Wildblumen und dieses magische Zusammenspiel, bei dem die Riesen aus Stein direkt in die weiten Ebenen übergehen.
Unsere Berge haben eine ganz besondere Seele. Sie strahlen eine wilde, ungezähmte Kraft aus, aber gleichzeitig wirken sie so einladend und friedlich, dass man einfach loswandern möchte. Unser aller größter Schatz ist aber das Wasser. Es fließt und plätschert wirklich an jeder Ecke. Es entspringt tief aus dem Herzen unserer wunderbaren Erde – so sauber, klar und erfrischend, dass man keine Filter oder Chemie braucht. Die Qualität ist einfach atemberaubend, und es gibt nichts Besseres, als sich bei einer Rast die Flasche direkt an einer Bergquelle aufzufüllen. Genau diese Magie teile ich Tag für Tag mit meinen Gästen.
Mittlerweile führen uns unsere Wege auch oft über die Grenzen Albaniens hinaus. Wir erkunden die herrlichen Bergwelten im Kosovo, in Montenegro und in Nordmazedonien. Diese grenzüberschreitenden Touren sind ein absolutes Highlight, aber sie verlangen einem als Guide auch einiges ab.
Damit oben auf dem Berg alles glattläuft, braucht es eine monatelange, extrem detaillierte und perfekte Planung im Hintergrund. Das kostet natürlich auch viel Energie und Ressourcen, denn auf solchen Routen darf man nichts dem Zufall überlassen. Unangenehme Überraschungen oder Planlosigkeit haben in den Bergen nichts verloren. Deshalb planen wir jeden Schritt im Voraus, um maximale Sicherheit und ein unbeschwertes Abenteuer von der Abreise bis zur glücklichen Rückkehr zu garantieren.
Wenn Welten aufeinandertreffen: Der schroffe Norden und der sanfte Süden
Um Albanien zu verstehen, muss man wissen, dass gut siebzig Prozent unseres Landes aus Bergen und Hügeln bestehen. Mit einer durchschnittlichen Höhe von über siebenhundert Metern über dem Meeresspiegel liegen wir fast doppelt so hoch wie der europäische Durchschnitt. Der Rest sind unsere wunderschönen Küstenstreifen, Lagunen und Flusstäler, wo auch die meisten Menschen leben. Wer bei uns wandert, merkt schnell, dass der Norden und der Süden zwei völlig verschiedene Welten sind.
Oben im Norden regieren die Albanischen Alpen. Das Relief hier ist spektakulär, wild und wildromantisch zerklüftet. Scharfkantiger Kalkstein, senkrechte Abgründe und massive, steinerne Riesen wie der “Jezerca” oder der “Arapi” prägen das Bild. Technisch gesehen muss man hier schon mal eine gute Kondition mitbringen, und an manchen Stellen packt man auch mal mit den Händen an, um über die Felsen zu kraxeln. Keine Sorge, die Pfade, die wir für unsere Gruppen aussuchen, sind sicher und für fitte Wanderer absolut machbar, aber der Charakter der Natur bleibt einfach kompromisslos alpin. Belohnt wird man dafür mit Postkartenmotiven wie dem “Blauen Auge” von Theth, dem tosenden “Grunas-Wasserfall” und uralten Buchenwäldern, in denen noch Braunbären, Wölfe und Gämsen leben.
Weil der berühmte Peaks of the Balkans Trail mittlerweile weltweit bekannt ist, gibt es hier im Sommer richtig viel Leben in den Tälern von Theth und Valbona. Auf den Wegen muss man allerdings konzentriert bleiben, denn der lose Geröllschutt unter den Wanderschuhen verzeiht keine allzu großen Unachtsamkeiten.
Was zeichnet den albanischen Süden aus?
Der Süden tickt ganz anders. Geologisch gesehen sind die Berge hier viel älter, was man ihnen auch ansieht. Die Formen sind weicher, runder und erstrecken sich oft als endlose Bergketten oder weite Hochebenen wie die “Nemercka” oder das “Cika”-Gebirge (wie tschika ausgesprochen). Auch wenn es hier steile Wände gibt, sind die Pfade im Süden meistens stabiler und angenehmer zu gehen. Es läuft sich einfach entspannter, weshalb der Süden ideal für größere Gruppen ist.
Oft wandern wir auf alten Karawanenwegen oder über die sanften, windgepeitschten Wiesen von Cajupi. Die Herausforderung im Süden ist nicht die Kletterei, sondern die Sonne. Im Sommer kann es extrem heiß werden, und schattige Wälder oder sprudelnde Quellen sind seltener als im Norden. Dafür atmet man hier schon mediterrane Luft. Man wandert durch die duftenden Pinienwälder von Llogara oder blickt in die tiefen Canyons von Nivica. Und der Duft ist unvergesslich: Überall wachsen wilder Bergtee, Oregano und Salbei. Mit etwas Glück sieht man am Himmel sogar einen Steinadler oder die seltenen Gänsegeier über die Klippen von Kurvelesh kreisen.
Mein absoluter Geheimtipp: Die unberührte Einsamkeit von Shelegur
Für unsere ganz spezielle Aktiv Süd Tour habe ich mir eine Route überlegt, die mir besonders am Herzen liegt. Es sind Orte, die man so in kaum einem normalen Reiseführer findet.
Los geht es in Leskovik, einer kleinen Region voller Geschichte und Herzlichkeit. Unser erstes echtes Abenteuer führt uns zu den wilden Thermalquellen von Sarandapor, versteckt in einem tiefen, felsigen Canyon. Hier gibt es keinen Massentourismus, keine Betonbecken – alles ist pure, raue Natur. Das Wasser ist vollgepackt mit gesunden Mineralien und Sulfaten. Erst vor kurzem haben Forscher in dieser Gegend neue, dampfende Erdspalten und tiefe Höhlen entdeckt. Man spürt richtig, wie lebendig die Erde hier ist.
Danach zieht es uns hinauf auf die Hochebene von Shelegur, und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass das einer der friedlichsten Orte der Welt ist. Hier oben scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Keine Industrie, kein Lärm, einfach nur ein absolut intaktes Ökosystem. Wir wandern vorbei an spiegelglatten Alpenseen, durch dichte Nadelwälder und genießen eine Stille, die man in unserem modernen Alltag kaum noch findet. Für meine Gäste ist dieser Tag oft der emotionalste, weil man sich nirgends so frei fühlt wie dort.
Wilde Wasser und uralte Höhlen: Abenteuer im Langarica-Canyon
Ein echtes Südalbanien-Abenteuer funktioniert natürlich nicht ohne die Vjosa. Sie ist die unbestrittene Königin der Flüsse und der letzte große, völlig wilde Strom Europas. Wenn wir mit unseren Schlauchbooten und Kajaks ins Wasser steigen und uns von der Strömung treiben lassen, eröffnen sich Perspektiven, die man von keiner Straße aus jemals sehen könnte. Der Fluss hat sich tief in den Fels gegraben und spektakuläre Schluchten geschaffen. Versteckt in einem dieser Seitentäler liegt auch der geheime Wasserfall von Përmet. Ein wunderschöner, schattiger Ort für eine Pause, um sich unter dem eiskalten Bergwasser frisch zu machen.
Weiter flussaufwärts, ganz in der Nähe der charmanten Stadt Përmet, wartet das nächste Highlight auf uns: die berühmten Thermalquellen von Bënja. Schon der Anblick der alten Kadiu-Brücke, einer wunderschönen osmanischen Steinbrücke, ist wie eine Zeitreise. Direkt darunter liegen die natürlichen Steinterrassen, in denen das schwefelhaltige Wasser mit angenehmen 26 bis 28 Grad aus dem Boden sprudelt. Ein Bad darin ist wie Wellness mitten in der Wildnis, und die Einheimischen schwören seit Generationen auf die heilende Wirkung für Haut und Gelenke.
Direkt hinter den Quellen öffnet sich der majestätische Langarica-Canyon. Wir wandern gemütlich mitten durch das Flussbett, während links und rechts die gewaltigen Kalksteinwände in den Himmel ragen.
Gastfreundschaft, die durch den Magen geht: Echtes Bio-Essen im Südosten
Nach so vielen Kilometern in den Beinen und voller neuer Eindrücke im Kopf gibt es nichts Schöneres, als den Tag bei gutem Essen ausklingen zu lassen. Und genau das ist das letzte, große Geheimnis unserer Reise.
Der Südosten Albaniens ist berühmt für seine herzlichen Menschen und eine Küche, die das Wort Bio noch wirklich verdient. Hier gibt es keine Massentierhaltung. Die Schafe, Ziegen und Kühe stehen den ganzen Tag draußen auf den saftigen Bergwiesen und fressen genau das, was die Natur ihnen schenkt. Und das schmeckt man einfach. Die frische Milch wird noch traditionell von Hand zu Käse, cremigem Joghurt und goldener Butter verarbeitet. Der Geschmack ist so intensiv und ehrlich, dass man ihn im Supermarkt vergeblich sucht. Wenn dann noch fangfrische Forellen, knackiges Gemüse aus dem Garten hinterm Haus und als süßer Abschluss das traditionelle Gliko von Përmet auf den Tisch kommen, weiß man, dass man angekommen ist.
Für mich ist diese Kombination aus echter Bewegung, wilder Natur, lebendiger Geschichte und ehrlichem Essen die beste Therapie für Körper und Seele – und genau das macht unsere Aktiv Süd Tour so unvergesslich.
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Ich finde diesen Artikel wunderbar und sehr aufschlussreich. Danke für die tolle Arbeit die Sie geleistet haben!