Jenseits des Gewöhnlichen

Eine persönliche Reise durch die Albanischen Alpen – mit den Augen eines Guides, der seine Leidenschaft für die Berge teilt.

Eine persönliche Reise durch die Albanischen Alpen – mit den Augen eines Guides, der seine Leidenschaft für die Berge teilt.


Als ich noch ein Kind war, träumte ich immer davon, eines Tages die Gipfel hoher Berge zu besteigen. Damals wusste ich noch nicht, dass dieser Traum mich später nicht nur in die Berge führen würde, sondern sogar zu meinem Beruf werden sollte.

Eigentlich ist der Berg das genaue Gegenteil meiner Kindheit, denn ich bin am Meer aufgewachsen und nicht in den Bergen. Trotzdem war meine Liebe zu den Bergen schon immer etwas Besonderes – wie eine erste Liebe, die man noch nie zuvor erlebt hat, die man aber im Herzen bereits zu kennen glaubt. Und genau so sollte es auch kommen.

Als ich zum ersten Mal durch den Nationalpark Valbona nach Theth wanderte, war ich überwältigt von der Schönheit und der gewaltigen Größe dieser Landschaft. Ich fühlte mich, als wäre ich auf einem unbekannten Planeten angekommen – an einem Ort, der so beeindruckend wirkte, als wäre er die Kulisse eines großen Films.

Vor mir erhoben sich majestätische Berge mit schneebedeckten Gipfeln, schroffen Felsformationen und weiten, fast unberührten Hängen. Es war eine Landschaft von einer Schönheit, die sich nur schwer in Worte fassen lässt.

Mein erster Besuch in Valbona erfolgte gemeinsam mit Freunden, die diese Region bereits kannten.

Das gab mir Sicherheit und machte mich neugierig auf dieses Abenteuer. Ich hatte schon viele Berichte über die berühmte Wanderung von Valbona nach Theth gelesen, doch oft fehlten genau jene kleinen Details, die für Reisende besonders wichtig sind: persönliche Erfahrungen, praktische Hinweise und Informationen, die man nicht überall findet.

Genau deshalb möchte ich diese Geschichte erzählen – um nicht nur eine wunderschöne Route zu beschreiben, sondern auch Einblicke in all jene kleinen Dinge zu geben, die diese Reise durch die faszinierenden Albanischen Alpen so besonders machen.

Als staatlich anerkannter albanischer Reiseleiter arbeite ich seit vielen Jahren im Tourismus, vor allem mit deutschsprachigen Reisegruppen. Dadurch kenne ich diese Region inzwischen sehr gut. Valbona und Theth sind kleine Bergdörfer, in denen jeder jeden kennt. Während der Saison von April bis Oktober komme ich fast alle zwei Wochen hierher, und mit der Zeit sind enge Beziehungen zu den Menschen vor Ort entstanden. Die Bewohner begrüßen uns nicht nur als Gäste, sondern fast wie Freunde. Wenn wir einmal länger nicht kommen, rufen sie manchmal an und fragen, ob alles in Ordnung ist. Gibt es eine herzliche Form der Gastfreundschaft?

Shkodra – der Beginn des Abenteuers

Meine Reise nach Valbona beginnt grundsätzlich in Shkodra, einer Stadt, die für mich der perfekte Ausgangspunkt für dieses Abenteuer ist. Hier verbringen wir mit unserer Gruppe die erste Nacht, bevor wir am nächsten Morgen früh in Richtung Koman aufbrechen.

Bei der Auswahl unserer Unterkünfte achten wir besonders auf Atmosphäre, Sauberkeit und Gastfreundschaft. Zu unseren bevorzugten Hotels gehören das Hotel Tradita und das Nord Boutique Hotel.

Das Hotel Tradita trägt seinen Namen nicht zufällig: „Tradita“ bedeutet Tradition, und genau diese Verbindung zur Vergangenheit spiegelt sich auch in der Einrichtung wider. Für viele Besucher ist gerade diese authentische Atmosphäre ein besonderer Teil des Erlebnisses – eine Verbindung zur Kultur und Geschichte von Shkodra.

Neben den gemütlichen Zimmern überzeugt das Hotel auch durch sein freundliches und professionelles Personal sowie durch sein Restaurant, das traditionelle albanische Küche zu einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis anbietet.

Auch das Nord Boutique Hotel ist eine sehr gute Wahl für Reisende, die Wert auf Komfort und einen herzlichen Service legen. Da dieses Hotel am Abend kein eigenes Restaurant anbietet, nutzen wir gerne die Gelegenheit, eines der vielen guten Restaurants in Shkodra zu besuchen.

Besonders empfehlenswert sind zum Beispiel das Restaurant Fisi, das traditionelle albanische Spezialitäten mit internationalen Gerichten verbindet, sowie Sofra Shkodrane, wo man klassische albanische Küche mitten im Zentrum der Stadt genießen kann.

Darüber hinaus gibt es in Shkodra viele weitere gemütliche Lokale, die leicht erreichbar sind und Besuchern einen authentischen Eindruck von der kulinarischen Tradition der Region vermitteln.

Am nächsten Morgen beginnt dann die eigentliche Reise in Richtung Albanische Alpen. Gegen 6:30 Uhr starten wir mit unserem 20-sitzigen Sprinter von Shkodra zum Hafen von Koman – dem Ausgangspunkt für den nächsten Höhepunkt dieser außergewöhnlichen Reise. 

Die Straße nach Koman – der erste Höhepunkt der Reise

Nach der Abfahrt aus Shkodra beginnt bereits der erste besondere Abschnitt unserer Reise. Die Straße zum Hafen von Koman führt durch eine beeindruckende Berglandschaft entlang des Flusses und des später entstandenen Koman-Stausees.

Diese außergewöhnliche Strecke wurde Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre gebaut, zeitgleich mit der Errichtung des Koman-Kraftwerks. Die Wasserkraft dieses Sees spielte eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Stromversorgung Albaniens.

Viele Jahre danach wurde die Straße jedoch stark vernachlässigt. Tiefe Schlaglöcher machten die Fahrt mühsam und verlängerten die Reise erheblich. Mit der wachsenden Bedeutung des Tourismus in dieser Region investierte der albanische Staat schließlich umfangreich in die Erneuerung dieser Strecke.

Früher dauerte die Fahrt über die etwa 35 Kilometer lange Straße fast zweieinhalb Stunden. Heute erreicht man den Hafen von Koman in ungefähr einer Stunde.

Obwohl sich die Straße durch ein wildes und felsiges Berggebiet schlängelt, ist sie sicher und stellt keine Gefahr für Reisende dar. Im Gegenteil: Sie ist bereits ein Teil des Abenteuers und bereitet die Besucher auf die außergewöhnliche Landschaft vor, die sie erwartet.

Die spektakuläre Landschaft auf dem Weg zum Hafen

Sobald wir die Höhe der Straße erreichen, die zum Hafen von Koman führt, eröffnet sich auf der linken Seite ein beeindruckender Blick auf den riesigen See, dessen Ausdehnung fast unendlich erscheint. Dieses Panorama begleitet uns während der gesamten Fahrt.

Unterwegs halten wir mehrmals an, damit die Reisenden Fotos machen und die Schönheit dieser wilden Natur genießen können. Diese kurzen Pausen sind nicht nur für schöne Erinnerungen wichtig – sie geben den Gästen auch die Möglichkeit, den besonderen Charakter dieser Landschaft wirklich auf sich wirken zu lassen.

Nach diesen eindrucksvollen Momenten setzen wir unsere Fahrt zum berühmten Hafen von Koman fort.